{"id":34,"date":"2016-01-20T20:57:30","date_gmt":"2016-01-20T20:57:30","guid":{"rendered":"http:\/\/sperzelhp.de\/?page_id=34"},"modified":"2021-10-07T12:44:47","modified_gmt":"2021-10-07T12:44:47","slug":"ethikrichtlinie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/sperzelhp.de\/?page_id=34","title":{"rendered":"Ethikrichtlinie"},"content":{"rendered":"<h1>Grundlegende Anschauungen f\u00fcr meinen Yogaunterricht<\/h1>\n<p>Meine Generation ist die erste in Deutschland, die \u00fcber weitestgehende materielle Sicherheit und Freiheit verf\u00fcgen konnte. Und so werden zunehmend den Menschen unserer Kultur fremde Verfahrensweisen bekannt und praktiziert. Ich bin der Ansicht, dass diese Techniken nicht einfach unhinterfragt und unbereinigt \u00fcbernommen werden d\u00fcrfen. Yoga entspringt n\u00e4mlich nicht nur einer uns fremden Kultur, sondern zus\u00e4tzlich noch einer uns fremden Bewusstseinsstufe: der magisch-mythischen Struktur.<\/p>\n<p>Yoga ist trotzdem in einer freiheitlichen Struktur m\u00f6glich und auch sinnvoll. Allerdings m\u00fcssen dazu die grundlegenden Anschauungen des Yoga aufgekl\u00e4rt und demokratisiert vermittelt werden. Und durch die in unserer Kultur garantierte Religionsfreiheit m\u00fcssen religi\u00f6s begr\u00fcndete Anschauungen des Yoga \u00fcbersetzt und in neutraler Form angeboten werden. Nur mit diesem Hintergrund ist Yoga verantwortungsbewusst vermittelbar.<\/p>\n<p>Das Unterrichtskonzept beruht auf den nachfolgenden grundlegenden Anschauungen:<\/p>\n<ul>\n<li>Yoga dient immer und zuerst der Gesunderhaltung des Menschen<\/li>\n<li>Der Mensch ist grunds\u00e4tzlich frei und wird als ein immerw\u00e4hrend Entstehendes gesehen.<\/li>\n<li>Der Mensch ist eine Einheit aus K\u00f6rper, Geist und Seele.<\/li>\n<li>Der Mensch ist ein historisch gepr\u00e4gtes Lebewesen.<\/li>\n<li>Alle nicht-physischen Anteile des Menschen beruhen auf energetischen Prinzipien.<\/li>\n<li>Die Welt des Menschen gehorcht weder rein dualen noch linearen Gesetzen, sondern muss systemisch gedacht werden.<\/li>\n<li>Meditation ist ein wesentlicher Bestandteil des Yoga<\/li>\n<\/ul>\n<h2><\/h2>\n<h2>Yoga dient immer und zuerst der Gesunderhaltung des Menschen<\/h2>\n<p>Zur Gesundheit z\u00e4hlen neben den allt\u00e4glichen physischen Gegebenheiten auch die Abwesenheit von psychischen Krankheitsformen wie Stress, Stimmungsexzessen, Schlafproblemen und Erm\u00fcdungserscheinungen. Im Gegensatz zu westlichen Techniken ist im Yoga dem Erlernen von Entspannungsf\u00e4higkeit oberste Priorit\u00e4t einzur\u00e4umen.<\/p>\n<p>Rechtzeitiges Bemerken von krankhaften St\u00f6rungen ist der Schl\u00fcssel zum Erfolg. Wenn man einmal die anziehende Krankheit mit einem Hochwasser vergleicht und eine rechtzeitige Warnung voraussetzt, k\u00f6nnen umfassende Gegenma\u00dfnahmen schwere Sch\u00e4den verhindern. Die Bewusstheit bemerkt die heranziehende Gefahr rechtzeitig, die Entspannung leitet die Gegenma\u00dfnahmen ein und die Vernunft schafft g\u00fcnstige Rahmenbedingungen. Das sind kurz gesagt die Motive der Krankheitsvermeidung und\/oder deren Linderung, mit denen Yoga arbeitet.<\/p>\n<p>Yoga arbeitet mit K\u00f6rper- und Atem\u00fcbungen, die eine sehr weitreichende Einwirkung auf das System Mensch haben k\u00f6nnen. Falsch angewendete oder falsch ausgef\u00fchrte \u00dcbungen heben diese Wirkungen nicht nur auf, sondern k\u00f6nnen sie auch in ihr Gegenteil wenden. Es ist die herausragende Aufgabe eines Lehrers, die \u00dcbungen richtig weiterzugeben, ihre Gefahren darzulegen und f\u00fcr die richtige Dosis beim \u00dcben zu sorgen.<\/p>\n<p>Innerhalb des Yogaunterrichts und in den \u00dcbungsstunden treffen unterschiedlich strukturierte Menschen zusammen und \u00fcben in einem gemeinsamen Kontext. Dabei m\u00f6chten nat\u00fcrlich alle mithalten k\u00f6nnen und in der Gruppe geachtet und anerkannt sein. Gruppendynamik ist hier das Zauberwort. Dabei wird sich h\u00e4ufig \u00fcber das eigene Empfinden hinaus in \u00dcbungen eingelassen, die f\u00fcr die aktuelle K\u00f6rperkonfiguration nicht geeignet sind. Hier muss der Lehrer eingreifen, zur\u00fccknehmen und f\u00fcr Transparenz dieser Ma\u00dfnahmen sorgen k\u00f6nnen, um Kr\u00e4nkungen und Blo\u00dfstellungen Einzelner vor der Gruppe zu vermeiden.<\/p>\n<h2>Der Mensch ist grunds\u00e4tzlich frei und wird als ein immerw\u00e4hrend Entstehendes gesehen.<\/h2>\n<p>Auch und besonders in Unterrichtssituationen besitzt jeder Mensch eine unantastbare W\u00fcrde, die darauf beruht, dass er die F\u00e4higkeit zur Freiheit besitzt, auch und besonders dann wenn er\/sie dieses Recht gerade nicht in Anspruch nimmt. Daher ist auch das Verh\u00e4ltnis zwischen Lehrer und Sch\u00fcler grunds\u00e4tzlich von W\u00fcrde bestimmt zu gestalten. Weiterhin ist der Mensch niemals als fertig, verwirklicht oder befreit anzusehen, sondern das Leben ist ein sich immerzu ver\u00e4ndernder Prozess, dem sowohl Lehrer als auch Sch\u00fcler unterworfen sind. Der aus der indischen Tradition stammende Guru-Gedanke, der bei einem Menschen, dem Guru n\u00e4mlich, ein absolutes Wissen proklamiert, ist daher mit der aufgekl\u00e4rten westlichen Lebenshaltung unvereinbar!<\/p>\n<p>Wie aus den bereits gelesenen Zeilen unzweideutig hervor geht, lehne ich den Guru-Gedanken prinzipiell ab. Ablehnung erfahren daher auch die Praktiken, die diesen Gedanken voraussetzen. Da eine Vielzahl der Mantren z.B. eine Anbetungslitanei an einen Guru, Meister oder Gott darstellt, unterrichte und \u00fcbe ich diese Yogaanteile nicht! Viele Anteile des Yoga entstammen religi\u00f6s magischen Anschauungen. Dazu z\u00e4hlen auch asketische und fakiristische Lebensformen und Praktiken. Auch diese Anteile werden sich in meinem Unterricht nicht finden.<\/p>\n<h2>Der Mensch ist eine Einheit aus K\u00f6rper, Geist und Seele.<\/h2>\n<p>Anders als in der christlichen Tradition geht Yoga von einer Einheit von K\u00f6rper, Geist und Seele aus. Das Verh\u00e4ltnis der Anteile zueinander im Yoga ist mehr als eine Reihe von Polarit\u00e4ten, also ein sich gegenseitiges Bedingen anzusehen. Die Wirkungen der \u00dcbungen beruhen im Wesentlichen auf dieser polaren Gestaltung. Allein in einem westlich dualen Anschauungssystem ist der Unterricht von Yoga daher nicht m\u00f6glich. Sowohl Sch\u00fcler als auch Lehrer m\u00fcssen sich klar dar\u00fcber sein, dass weder eine \u00dcbersetzung der Yogainhalte in westliches Gedankengut noch eine Lebensgestaltung aus westlicher Pr\u00e4gung heraus in der indischen Tradition gelingen kann. Beide, Sch\u00fcler und ganz besonders der Lehrer, sind in der Praxis Grenzg\u00e4nger zwischen unvereinbaren Kulturen und sollten sich dieser Eigent\u00fcmlichkeiten beim Yoga \u00fcben bewusst sein.<\/p>\n<p>Wir haben es im Yoga immer wieder mit Lehren und Schlussfolgerungen zu tun, die sich einem dual gepr\u00e4gten Begreifen verschlie\u00dfen. Yoga ist daher nicht als eine Wissenschaft im modernen Sinn, sondern mehr als eine Erfahrungswissenschaft zu begreifen. Um Yoga zu erlernen, bedarf es daher einer langj\u00e4hrigen \u00dcbungspraxis und Lehrern, die ebenfalls auf eine langj\u00e4hrige \u00dcbungspraxis zur\u00fcckblicken k\u00f6nnen. Weiterhin k\u00f6nnen die indischen Lehren nicht 1:1 in ein westlich gepr\u00e4gtes Leben \u00fcbernommen werden. Die Unterrichtsteilnahme erfordert daher immer auch ein Einlassen k\u00f6nnen in eine andere Welt, die danach auch wieder verlassen werden muss. Yoga kann daher niemals eine religi\u00f6se Pr\u00e4gung bekommen, sondern wird von mir immer nur als Leib- und Seelenarbeit angesehen.<\/p>\n<h2>Der Mensch ist ein historisch gepr\u00e4gtes Lebewesen.<\/h2>\n<p>Einstellungen und Verhaltensweisen aller Menschen sind zu einem gro\u00dfen Anteil historisch gepr\u00e4gt, stammen also aus den Lebensumst\u00e4nden und Erfahrungen vergangener Jahre. Sie sind Einlagerungen vergleichbar, die sich sowohl k\u00f6rperlich als auch geistig ausdr\u00fccken k\u00f6nnen. Yoga versucht in seiner Praxis, diese Einlagerungen aus dem unbewussten Nebel in bewusstes Erleben empor zu heben und damit die Grundlage f\u00fcr eine m\u00f6gliche Ver\u00e4nderung zu schaffen. Diese Grundlage wird im traditionellen Wortgebrauch des Yoga \u201eReinigung\u201c genannt.<\/p>\n<p>Anders als in esoterischen Anschauungen glaube ich nicht an die M\u00f6glichkeit, seelisch geistige Elemente mit reiner K\u00f6rper- oder Atemarbeit ver\u00e4ndern zu k\u00f6nnen. Die k\u00f6rperliche Praxis ist lediglich in der Lage, Stimmungen zu gl\u00e4tten (Atemarbeit) und muskul\u00e4re Verspannungen zu beseitigen. Diese k\u00f6nnen zwar, m\u00fcssen aber nicht zwangsweise geistig-seelischen Ursprungs sein. Es ist also mehr von einer Ausgleichsm\u00f6glichkeit als wirklicher Ver\u00e4nderung zu sprechen. Auch der Raubbau der k\u00f6rperlichen Ressourcen ist nat\u00fcrlich ein gerne gelebtes Motiv. Wirkliche Ver\u00e4nderungen sind meiner Ansicht nach der Meditation vorbehalten, und dieses auch nur \u00fcber den Umweg der Bewusstwerdung der zugrunde liegenden Motivationen.<\/p>\n<h2>Alle nicht-physischen Anteile des Menschen beruhen auf energetischen Prinzipien.<\/h2>\n<p>Die Definition Energie, die hier in Verbindung mit Yoga gemeint ist, steht in der griechischen Philosophie als Energeia oder das polare Paar aus Akt und Potenz. Wenn man z.B. von einer gelebten Einstellung ausgeht und diese als eine Energie betrachtet, so ist ihr Ausdruck jetzt ein Akt, aber sie enth\u00e4lt aufgrund ihrer Polarit\u00e4t auch die Potenz, sich ganz anders ausdr\u00fccken zu k\u00f6nnen. Wird diese Potenz bewusst erfahren, k\u00f6nnen auch tiefe Pr\u00e4gungen verlassen, ver\u00e4ndert oder gegl\u00e4ttet werden. Die Praxis des Yoga ist eine Methode, diese Bewusstheit herbeizuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Yoga kann nur \u00fcber die Gesamtheit aller Praktiken (K\u00f6rper-, Atemarbeit, Meditation) den Zustand herbeif\u00fchren, in dem sp\u00fcrbare Ver\u00e4nderungen einer bestehenden Konvention erreicht werden k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6rt entgegen allgemeiner Auffassung ein gesundes, hochentwickeltes Selbstvertrauen, Mut, Kreativit\u00e4t und ein Wille, der auch gegen innere Widerst\u00e4nde anzugehen bereit ist. Selbstaufgabe und Fatalismus sind dazu nicht geeignet. Bewusstsein ist der Schl\u00fcssel, der selbst tief gepr\u00e4gte Vor- und Einstellungen zu ver\u00e4ndern vermag.<\/p>\n<h2>Die Welt des Menschen gehorcht weder rein dualen noch rein linearen Gesetzen, sondern sie muss \u00fcberwiegend systemisch gedacht werden.<\/h2>\n<p>In westlichem Gedankengut wird in aller Regel von einer Ursache auf eine Wirkung geschlossen, und letztere, wenn sie vermehrt auftritt, wird als eine Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit angesehen. Dieser Gedankenzug ist dem Yoga fremd. Die Ausf\u00fchrung einer \u00dcbung bringt niemals nur definierbare Wirkungen hervor, sondern beeinflusst immer das System Mensch in der Gesamtheit seiner jetzigen Struktur. Da die Menschen sehr verschieden sind (Gestalt, Einstellung, Pr\u00e4gung), sind auch die Wirkungen sehr verschieden und k\u00f6nnen nur schwer vorhergesagt werden. Erfahrene Lehrer raten daher stets zu vorsichtigem \u00dcben.<\/p>\n<p>Das bedingt, dass die Wirkung einer \u00dcbung nicht vorausgesagt werden kann, ohne den \u00dcbenden zu kennen. Im Unterricht biete ich daher \u00fcberwiegend Werkzeuge, Methoden, und Hinweise an, mit denen der Sch\u00fcler die Selbstbeobachtung erweitert und mit denen die Kommunikation zwischen Lehrer und Sch\u00fcler vertieft werden kann. Erst nach langer gemeinsamer Arbeit, dazu z\u00e4hlt neben einer regelm\u00e4\u00dfigen Teilnahme an den \u00dcbungsstunden auch und besonders der Einzelunterricht, sind weiterf\u00fchrende Einsch\u00e4tzungen sinnvoll und m\u00f6glich.<\/p>\n<h1>Meditation ist ein wesentlicher Bestandteil des Yogasystems<\/h1>\n<p>Alle im Yoga praktizierten \u00dcbungsformen weisen auf die Meditation hin. Diese F\u00e4higkeit ist der Schl\u00fcssel zu einer erfolgreichen Arbeit am eigenen Selbst. Das eigene Selbst wiederum kann als das Wissen um den Standort bezeichnet werden, den ein Mensch als Person innerhalb des Konventionengeflechtes seiner Existenz einnimmt. Kennt der Mensch diesen Standort, kann er ihn auch verlassen, ver\u00e4ndern oder weiter entwickeln. Die Meditation ist daher als eine Methode zu sehen, mit der eine Standortbestimmung vorgenommen werden kann. Eine weitere Methode dieser Art ist die Philosophie, nur verwendet diese statt Bilder und Wahrnehmungen Worte und Anschauungen als Medium der Erkenntnis.<\/p>\n<p>In der Stille des Sitzens in Meditation werden die Impulse erstmalig wahrgenommen, die konventionelle Pr\u00e4gungen best\u00e4ndig abstrahlen. Gleisen \u00e4hnlich, auf denen die Wagen des Lebens sich vorw\u00e4rts bewegen, bedr\u00e4ngen sie den Meditierenden, der diesen Impulsen w\u00e4hrend seiner Meditation ja nicht zu folgen imstande ist. Diese Konstruktion in der \u00dcbungspraxis macht diese Impulse erstmals bewusst, schafft das Wissen um deren Wirksamkeit und zeigt unmittelbar m\u00f6gliche neue Wege auf. Intuition, fr\u00fcher als Eingebung einer Gottheit angesehen, kann so ganz anders begr\u00fcndet werden.<\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-page pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/sperzelhp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fpages%2F34&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/sperzelhp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fpages%2F34&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Grundlegende Anschauungen f\u00fcr meinen Yogaunterricht Meine Generation ist die erste in Deutschland, die \u00fcber weitestgehende materielle Sicherheit und Freiheit verf\u00fcgen konnte. 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