{"id":80,"date":"2016-01-22T17:41:53","date_gmt":"2016-01-22T17:41:53","guid":{"rendered":"http:\/\/sperzelhp.de\/?p=80"},"modified":"2018-06-06T06:34:59","modified_gmt":"2018-06-06T06:34:59","slug":"phasen-der-stille","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sperzelhp.de\/?p=80","title":{"rendered":"Phasen der Stille"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: medium;\">Es gibt Zeiten, die sind grau, in sich grau, und ich erlebe sie als ohne Hoffnung, ohne Sinn. Alles f\u00e4llt mir schwer in dieser Zeit, jede Regung kostet, jeder Gedanke belastet, jedes Wollen stirbt. Ich sp\u00fcre dann zwar das Lebendige in mir, aber es gibt nicht etwas damit zu tun, alles scheint bereits getan zu sein, nichts liegt mehr an, und nichts ist unerf\u00fcllt. Und auch die andere Seite dieses so-seins fehlt, es gibt kein Gl\u00fcck, keine Freude und kein sich wohl f\u00fchlen. Die Dinge und Gegebenheiten sind, sonst nichts.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Es ist schwer in Worte zu fassen, aber nicht fehlt dann etwas, und nichts ist zuviel. Zwar erreicht mich jedes Ger\u00e4usch, jede Ber\u00fchrung, aber es gibt einen erheblichen Widerstand, darauf hin aktiv zu werden. Die Augen ins ferne Nichts gerichtet, genie\u00dfe ich diese Zeit der Stille, ich bin, nicht traurig, nicht erf\u00fcllt mit, nicht mit egal, nur ich bin. Und diese Zeit dauert, bis ein neuer Schlaf mich \u00fcberf\u00e4llt, ein Schlaf, der mich richtig schlafen l\u00e4sst oder der mich zu etwas anderen hinzieht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Ich wei\u00df, es ist schwer , dies zu verstehen. Ich verstehe es ja selbst nicht, und so erwarte ich es auch nicht von anderen. Aber ich w\u00fcnsche mir von meinen Freunden, dass sie mich dieses Unverstandene leben lassen. Wenn es mich doch \u00fcberf\u00e4llt, dann muss ich es auch ergr\u00fcnden. Nur so kann ich zum Verstehen kommen. Ich m\u00f6chte es nicht abweisen, so wie ich es viele Jahre zuvor schon getan habe, denn es ist wirklich, und es ist real, und es ist lebenswert.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">F\u00fcr viele mag es Aussehen wie eine Depression, oder vielleicht nur eine Stimmung, und ich sehe in fremden Augen die \u00dcberlegung, woher diese denn kommen k\u00f6nne und was sie auszul\u00f6sen vermochte. Ich sehe das Fragen, und ich verstehe es auch, und dies nicht nur, weil ich selbst so lange schon damit konfrontiert bin. Aber ich habe keine Antwort, und so kann ich niemand tr\u00f6sten. &#8222;Es ist&#8220;, und das ist alles, was ich sagen kann. Und vielleicht ist es wirklich nur eine Depression, eine Stimmung. Aber erst wenn ich ergr\u00fcndet habe, werde ich es wissen und erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Und bis dahin muss ich um Geduld bitten, um Verst\u00e4ndnis.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Vieles schon haben mich diese Zeiten gelehrt, zumindest glaube ich, dass das Gelernte von dort her stammt. Viele Beobachtungen sind aus dieser Stille gewachsen, viele Wiederholungen sind aus dieser Stille heraus mir bekannt geworden, und viele wichtige Entscheidungen, auch sehr schmerzliche sind darunter, sind nach einer solchen Stille gefallen, und sie waren stets f\u00f6rderlich und haben mich stets weitergebracht. Diese Stille ist also nicht Nichts, und doch gibt es nichts dar\u00fcber zu denken, nichts dar\u00fcber zu sagen.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Es gibt keinen Zugang und keine T\u00fcr dorthin, jedoch: Es gibt Dinge und Weisen, die einen Eintritt zu f\u00f6rdern scheinen. Da ist zun\u00e4chst einmal die S\u00e4ttigung nach eine Phase des Hungers, die Stille nach einer Zeit der Hektik, die Leere nach einer Zeit der Ausgef\u00fclltheit, die Ruhe nach einer Phase der Eile, das Gelingen nach einer Zeit der Unsicherheit, die M\u00fcdigkeit nach einem erf\u00fcllten Tag. Es ist oft ein Ende vor einem neuen Anfang, etwas geht, und ein Neues ist noch nicht da. Und vielleicht ist es nur eine Pause zwischen zwei Aktivit\u00e4ten, die sich \u00fcberm\u00e4\u00dfig ausdehnt, als w\u00fcrde ich in ihr verweilen.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\">Diese Pause ist wie ein Buch mit leeren Seiten, und beim Aufschlagen f\u00fcllen sich diese f\u00fcr kurze Zeit, verschwommen zwar und oft unklar und unleserlich, aber sie machen neugierig und sch\u00fctteln an der Ordnung, die mir oft als so selbstverst\u00e4ndlich erscheint, und h\u00e4ufig bin ich danach verwirrt, kann mich zu nichts mehr entschlie\u00dfen, habe ich den Faden f\u00fcr kurze Zeit verloren, um ihn dann, nach ewigen Sekunden, wieder zu finden in einer neuen Farbe. Und alles scheint dann gewohnt und sicher wie zuvor, und doch: mir erscheint die Welt dann gewandelt, in einem neuen Licht.<\/span><\/p>\n<div class=\"pdfprnt-buttons pdfprnt-buttons-post pdfprnt-bottom-right\"><a href=\"https:\/\/sperzelhp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F80&print=pdf\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-pdf\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/pdf.png\" alt=\"image_pdf\" title=\"PDF anzeigen\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/sperzelhp.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fposts%2F80&print=print\" class=\"pdfprnt-button pdfprnt-button-print\" target=\"_blank\" ><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sperzelhp.de\/wp-content\/plugins\/pdf-print\/images\/print.png\" alt=\"image_print\" title=\"Inhalt drucken\" \/><\/a><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Zeiten, die sind grau, in sich grau, und ich erlebe sie als ohne Hoffnung, ohne Sinn. 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