Die innere Entspannung mit Absenkung ins Hara

Diese Achtsamkeits- und Entspannungsübung, wird sie innerhalb der stillen Phase einer Asana praktiziert, bewirkt eine mühelose Vervollständigung der Haltung, da sie einerseits die Spannung in einer angesprochenen Körperregionen löst und die freigewordene Energie durch Absorption in die Erdmitte (Hara, Kanda, Tanden) aufnimmt. Diese steht dann für einen kurzen Zeitraum der Region nicht mehr zur Verfügung, so dass ein nachhaltiger Öffnungseffekt erzielt werden kann.

Eine allgemeinverständliche Einführung in diese Praxis kann in Tadasana erfolgen, dem einfach Stehen auf beiden Füssen. Der Stand ist aufgerichtet und zeigt das Maximum an Höhe, das ohne Anspannung erreicht werden kann. Nach einigen leichten Atemzügen, die sowohl den Brust- als auch den Bauchraum umfassen sollten, kann mit der eigentlichen Entspannungsinitiation begonnen werden. Dazu stellt man sich vor, das neben dem äußeren Körper ein zweiter, kleinerer Körper im Menschen wohnt, der etwa ein bis zwei Zentimeter unter der Haut beginnt. Während jetzt der äußere Körper weitestgehend stehen bleibt, entspannt sich der innere Körper in einer langsamen Ausatmung in der Brust beginnend, der Schwerkraft folgend, in Form eines Trichters nach unten in Richtung Unterbauch und verweilt dort ohne Anstrengung einige Sekunden. Nach einer großen unwillkürlichen Einatmung wiederholen wir den Vorgang, um dann, im Bauchraum verweilend, den Atem loszulassen (sich selbst überlassen). Dieser Bauchraum wird sich dabei lebendig gestalten, wird warm und etwas unruhig werden und ein Gefühl von Kraft und Stärke ausstrahlen. Nach einigen Sekunden, der Atem hat still und fast lautlos im Hintergrund wieder eingesetzt, wird sich im Körper eine Strömung etablieren, die eine aufsteigende, den Körper aufrichtende Kraft darstellt. Diese Kraft lassen wir dann ihre Bahnen ziehe, ohne sie selbst anzusprechen (zu fördern, zurückzuhalten, zu stärken…). Tadasana wird dabei leichter. Wir spüren ein müheloses Strecken in den Beinen, ein unbeabsichtigtes Maha-Bandha entsteht und die Haltung deutlich schwankt um eine imaginäre Mitte herum.

 

Haltungen, in denen die Schwerkraftrichtung beibehalten wird, sind mit dieser Entspannungstechnik sehr einfach zu stellen. Haltungen gegen die Schwererichtung und diagonal dazu müssen bewusst gesteuert werden, wobei Bandhas zum Einsatz kommen. Sie bedürfen in der Regel eine Einführung durch den Lehrer.

Sehr anschaulich zu erkennen ist der Effekt der Entspannung in stehenden Vorwärtsbeugen. Der äußere Körper wird durch die Wahrnehmung der inneren Struktur ergänzt durch ein leichtes Öffnen der Beugehaltung, dann erfolgt die Entspannungsübung wie oben beschrieben, die bewusst gesteuert werden muss, und in der Folge können wir eine deutliche Erweiterung des Bewegungsrahmens wahrnehmen, da der Oberkörper in der VWB mit der Schwerkraftanbindung stärker absinkt.

In nahezu allen Asanas ist diese Form der Entspannungsinitiation möglich. Sie wird grundsätzlich in der stillen Phase einer Asana einführt und bleibt dann mehrere Sekunden bestehen.

Exkurs: Was sind Bandhas?
siehe Blogbeitrag auf aavidya (www.sperzelhp.eu – Die drei Bandhas)
siehe Beitrag auf sperzelhp (www.sperzelhp.de – Wie verwende ich Bandhas)

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